Drei Tage, drei Stationen, über 100 Kilogramm selbst hergestellte Schokolade: Schülerinnen und Schüler der HTL für Lebensmitteltechnologie und der Meisterschule für Müller, Bäcker und Konditoren in Wels brachten von einer Exkursion nach Deutschland nicht nur Wissen – sondern auch handfeste Ergebnisse mit nach Hause.

Von Montag bis Mittwoch führte die Reise nach Bayern und in die Oberpfalz, mit Stationen in Kulmbach, Selb und der Umgebung Nürnbergs. Ziel war es, moderne Produktionsprozesse, innovative Technologien und industrielle Praxis direkt vor Ort kennenzulernen – und die im Unterricht vermittelten Inhalte greifbar zu machen.

IREKS in Kulmbach: Analytik aus dem Unterricht trifft Industrierealität

Den Auftakt bildete der Besuch der Firma IREKS GmbH in Kulmbach – dem Mutterkonzern von STAMAG. Im Rahmen einer umfassenden Betriebsführung erhielten die Teilnehmenden detaillierte Einblicke in Produktionsabläufe und Qualitätsmanagement. Besonders prägend war dabei die unmittelbare Wiedererkennung analytischer Methoden aus dem Unterricht im realen industriellen Umfeld.

Ein anschließender Austausch mit dem Beruflichen Schulzentrum Kulmbach ermöglichte zusätzlich den Blick in eine vergleichbare Ausbildungsstruktur in Deutschland – und damit einen direkten Vergleich zwischen österreichischer und bayerischer Berufsausbildung im Lebensmittelbereich.

NETZSCH in Selb: Rheometer, Elektronenmikroskop und selbst gemachte Schokolade

Der zweite Tag führte die Gruppe zur NETZSCH Group nach Selb, wo moderne Analytik und Verfahrenstechnik im Mittelpunkt standen. Neben einer Werksbesichtigung konnten die Schülerinnen und Schüler die Herstellung eines Oszillationsrheometers sowie Untersuchungsmethoden mittels Elektronenrastermikroskopie kennenlernen.

Den Höhepunkt des Tages bildete der praktische Teil im Technikum: Aus Kakaonibs und Haselnüssen wurden eigenständig Schokolade, Nougat und Haselnusspasten hergestellt. Dabei kam unter anderem die Anlage „Master Cream“ zum Einsatz. Die Kakaonibs wurden zunächst bewusst grob vermahlen und anschließend rund drei Stunden conchiert – ein unkonventioneller, aber laut NETZSCH technologisch effizienter Ansatz: Durch die gröbere Partikelstruktur kann der Conchierprozess beschleunigt und optimiert werden.

Die Entwicklung der Masse wurde stündlich sensorisch beurteilt, wodurch die Teilnehmenden ein direktes Gefühl für Prozessveränderungen erhielten. Im Anschluss wurden Zucker, Kakaobutter und Lecithin zugegeben und die Masse über eine Kugelmühle feinverarbeitet. Insgesamt entstanden auf diese Weise über 100 Kilogramm Schokolade und Nougat – die Produkte wurden mit nach Wels genommen und dienen nun als Ausgangsbasis für weiterführende Arbeiten im Projektunterricht.

Ein besonderer Dank gilt der Firma Hofer Schokoladen aus Sattledt für die großzügige Bereitstellung der Kakaonibs sowie der Firma NETZSCH für die umfassende Unterstützung und Betreuung vor Ort.

Bäckerei Plank bei Nürnberg: Handwerk mit Leidenschaft

Am dritten Tag trat die Gruppe die Heimreise an, legte jedoch noch einen Zwischenstopp bei der Bäckerei Plank nahe Nürnberg ein. Zwei junge Bäckermeister gewährten dort einen authentischen Einblick in einen modernen Handwerksbetrieb. Die Verbindung aus traditionellem Können, innovativen Ansätzen und großer Leidenschaft für das Bäckerhandwerk hinterließ bei den Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck.

Ausbildung, Forschung und Praxis eng verknüpft

Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie eng Ausbildung, Forschung und industrielle Praxis miteinander verknüpft sind. Sie bot den Schülerinnen und Schülern der HTL für Lebensmitteltechnologie und der Meisterschule für Müller, Bäcker und Konditoren in Wels nicht nur wertvolle fachliche Erkenntnisse – sondern auch neue Perspektiven für ihre zukünftige berufliche Laufbahn.