Preise vom Rohstoff bis ins Regal vergleichbar

Das neue Preisradar visualisiert Preisentwicklungen auf unterschiedlichen Handelsstufen und über längere Zeiträume hinweg. Grundlage sind unter anderem der Verbraucherpreisindex, der Harmonisierte Verbraucherpreisindex sowie weitere nationale und internationale Preisindizes. Ergänzt werden diese durch konkrete Produktpreise, die in Form von Preisbändern dargestellt werden und zeigen, wie sich Preise innerhalb eines Produktspektrums verteilen.

Für das Bäcker- und Konditorhandwerk ist dieser Ansatz von besonderer Bedeutung. Viele Betriebe stehen seit Jahren unter Druck durch steigende Rohstoff-, Energie- und Lohnkosten, während Preiserhöhungen am Markt nur begrenzt durchsetzbar sind. Das Preisradar ermöglicht es nun, Preisentwicklungen bei Grundzutaten wie Mehl, Milchprodukten oder Zucker besser einzuordnen.

Scannerdaten als Basis der Preiserhebung

Eine zentrale Neuerung liegt in der Datengrundlage. Seit 2022 erhebt Statistik Austria die Preise für Lebensmittel auf Basis von Scannerdaten aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Dabei handelt es sich um wöchentlich übermittelte Umsatz- und Absatzdaten der größten Handelsketten, in denen auch sämtliche Rabattaktionen berücksichtigt sind – von Mengenaktionen bis zu zeitlich begrenzten Preisnachlässen.
Diese Daten fließen sowohl in die Berechnung von Preisindizes als auch in die Ermittlung von Durchschnittspreisen ein. Statistik Austria weist darauf hin, dass beide Kennzahlen nicht zwangsläufig dieselbe Entwicklung zeigen, da sie unterschiedlich gewichtet und methodisch verschieden aufgebaut sind. Für handwerkliche Betriebe ist diese Differenzierung wichtig, da kurzfristige Aktionen im Handel nicht automatisch eine Entspannung bei den langfristigen Kosten bedeuten.

Politischer Anspruch: Transparenz als Mittel gegen Teuerung

Aus Sicht der Bundesregierung ist das Preisradar ein zentrales Instrument zur Inflationsbekämpfung. Finanzminister Markus Marterbauer sieht darin die Voraussetzung, um Preisentwicklungen international vergleichen und Ursachen für Preissteigerungen besser analysieren zu können. Nur auf dieser Basis könne gezielt gegengesteuert werden.

Auch Konsumentenschutzstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betont die Bedeutung klarer Daten. Transparenz sei notwendig, um irreführende Preisgestaltungen zu erkennen und sicherzustellen, dass Entlastungsmaßnahmen tatsächlich bei den Konsument:innen ankommen.

Relevanz für Bäcker- und Konditorbetriebe

Gerade im Lebensmittelsektor bleibt der Preisdruck hoch. Im Dezember 2025 lag die Inflation bei Lebensmitteln in Österreich bei 4,1 Prozent und damit deutlich über dem allgemeinen Inflationsniveau. Für Bäckereien und Konditoreien wirken sich diese Entwicklungen mehrfach aus: Einerseits steigen die Einkaufspreise für Rohstoffe und Energie, andererseits reagieren Konsument:innen zunehmend preissensibel.
Das Preisradar kann helfen, diese Entwicklungen faktenbasiert zu begleiten. Es zeigt, wie sich Preise in einzelnen Produktgruppen entwickeln und in welchem Ausmaß Unterschiede zwischen Ländern oder Handelsstufen bestehen. Damit liefert es eine Grundlage für eine sachlichere Diskussion über Kostenstrukturen und Preisbildung.

Kritik an Umfang und Produktauswahl

Kritik am neuen Instrument kommt unter anderem von foodwatch Österreich. Die Organisation begrüßt zwar den Ansatz, bemängelt jedoch, dass ein erheblicher Teil der als Grundnahrungsmittel definierten Produkte derzeit nicht im Preisradar abgebildet ist.

foodwatch-Geschäftsführerin Indra Kley-Schöneich sieht darin eine Schwächung der Transparenz. Gerade jene Produkte, die für viele Haushalte – und auch für handwerkliche Betriebe – zentral seien, müssten vollständig erfasst werden, um Preisentwicklungen nachvollziehbar beurteilen zu können.

Ausblick: Mehr Daten, mehr Einordnung

Mit Blick auf weitere politische Maßnahmen – darunter strengere Kontrollen, das Anti-Mogelpackungsgesetz und die angekündigte Senkung der Umsatzsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab Juli 2026 – dürfte das Preisradar weiter an Bedeutung gewinnen. Für die Bäcker- und Konditorbranche bleibt entscheidend, wie vollständig und differenziert die Daten künftig zur Verfügung stehen.
Klar ist: Transparenz allein senkt keine Preise. Sie schafft jedoch eine Grundlage, um Preisentwicklungen besser zu verstehen, sachlich einzuordnen und die besonderen Rahmenbedingungen des handwerklichen Lebensmittelgewerbes sichtbar zu machen.