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Lesachtaler Brot: Wie eine alte Backtradition das Hochtal neu belebt

Im Lesachtal lebt eine uralte Brottradition weiter – mit Roggen aus dem Tal, christlichen Symbolen und internationaler Anerkennung. Ein Vorbild für regionales Bäcker- und Lebensmittelhandwerk.

Ein Brot mit Geschichte und Herkunft

Im abgelegenen Lesachtal, wo Selbstversorgung jahrhundertelang zum Alltag gehörte, hat sich eine außergewöhnlich ursprüngliche Brottradition erhalten. Das Lesachtaler Brot, rund geformt und mit dem sogenannten „Auge Gottes“ verziert, wird aus Roggen- und Weizenmehl gebacken, das ausschließlich aus dem Tal stammt. Diese gelebte Form des regionalen Wirtschaftens hat das Brot über Österreichs Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Anerkanntes Kulturerbe – aus gutem Grund

Was im Alltag vieler Bauernfamilien begann, wurde 2010 offiziell als immaterielles Kulturerbe der UNESCO in Österreich anerkannt. 2018 folgte das begehrte „Presidio“-Siegel der Slow-Food-Bewegung. 2023 dann der nächste Meilenstein: Das Lesachtaler Brot erhielt den EU-Schutz als Produkt mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.). Damit steht es in einer Reihe mit Spezialitäten wie dem Gailtaler Speck oder dem Gailtaler Almkäse.

Fünf traditionelle Mühlen, die Getreide für das Lesachtaler Brot mahlen, sind heute noch in Betrieb. Zu bestaunen am Lesachtaler Mühlenweg. © Franz Gerdl / Wanderdörfer.at
Fünf traditionelle Mühlen, die Getreide für das Lesachtaler Brot mahlen, sind heute noch in Betrieb. Zu bestaunen am Lesachtaler Mühlenweg. © Franz Gerdl / Wanderdörfer.atFünf traditionelle Mühlen, die Getreide für das Lesachtaler Brot mahlen, sind heute noch in Betrieb. Zu bestaunen am Lesachtaler Mühlenweg. © Franz Gerdl / Wanderdörfer.at

Heimische Zutaten, handwerkliche Verarbeitung

Der Verein Gemeinschaft Lesachtaler Brot produziert das Brot mit viel Sorgfalt und nach altem Vorbild. Die wichtigste Zutat: regionales Getreide. Der Roggenanteil beträgt traditionell zwei Drittel, der Weizenanteil ein Drittel. Das Getreide wird im Tal angebaut und vermahlen, heute meist in modernen elektrischen Mühlen, früher in Wassermühlen – fünf davon sind beim Mühlenweg in Maria Luggau bis heute in Betrieb.

Der verwendete Sauerteig entsteht aus Roggenmehl und Wasser, ohne künstliche Zusätze oder Hefe. Diese natürliche Fermentation ist entscheidend für Geschmack, Bekömmlichkeit und Haltbarkeit. Sollte es einmal zu Ernteausfällen kommen, darf nur im Einklang mit der überlieferten Tradition auf zugekauftes Korn zurückgegriffen werden.

Ein Brot mit Symbolkraft – auch für andere Regionen

Für viele Handwerksbäckereien, Konditoren, Cafetiers und Landwirt:innen in Österreich ist das Lesachtaler Brot ein Beispiel dafür, wie regionale Identität, handwerkliches Können und nachhaltige Lebensmittelproduktion erfolgreich zusammenspielen können. Auch Pâtissiers, Bonbonmacher oder Chocolatiers, die mit traditionellen Rezepturen und regionalen Zutaten arbeiten, könnten von der konsequenten Herkunftsstrategie profitieren.

Auszeichnungen & Schutzstatus

Jahr Auszeichnung/Status Bedeutung
2010 Immaterielles Kulturerbe (UNESCO Österreich) Anerkennung als kulturell bedeutende Tradition
2018 Slow Food „Presidio“-Siegel Internationales Gütesiegel für nachhaltige und traditionelle Lebensmittel
2023 g.g.A. (geschützte geografische Angabe, EU) Herkunftsschutz auf europäischer Ebene

Verbindung von Landwirtschaft und Handwerk stärken

Der Verein „Gemeinschaft Lesachtaler Brot“ zeigt eindrucksvoll, wie bäuerliche Landwirtschaft, Handwerk und Tourismus kooperieren können, um wertvolle regionale Kulturgüter zu erhalten. Für viele Produzent:innen aus Bäckerei und Konditorei ist dies auch ein Anstoß, den Wert handwerklich hergestellter Produkte mit klarem Herkunftsbezug wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.

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