Seit 2019 vernetzt der Verein „Die Alimentaren“ Fachwissen in der Lebensmittelbranche und unterstützt Bäckereien, Fleischereien und andere Betriebe praxisnah bei Themen wie Hygiene, Qualitätsmanagement, Verpackung und Nachhaltigkeit.
In kleinen Bäckereien, Fleischereien oder Käsereien etwa ist heutzutage jeder Arbeitstag eine eigene Herausforderung: Neue Produkte wollen entwickelt, Abläufe optimiert und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Viele Betriebe stehen dabei vor ähnlichen Fragen – von der sicheren Gestaltung von Produktionsprozessen über die Einhaltung von Hygiene- und Qualitätsstandards bis hin zur korrekten Kennzeichnung und Verpackung der Waren. Genau hier setzt der Verein „Die Alimentaren – United Food Experts“ an. Seit 2019 bündelt dessen interdisziplinäres Team Wissen, um Betriebe praxisnah zu unterstützen und ihnen den Rücken freizuhalten. Damit sich diese auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
Know-how gemeinsam denken
Was als kollegialer Austausch unter Fachleuten der Lebensmittelbranche begann, ist inzwischen ein starkes Netzwerk für das Lebensmittelhandwerk. „Die Alimentaren“ entstanden aus dem Wunsch heraus, Experten der Branche enger zu vernetzen und Wissen nicht nebeneinander, sondern miteinander zu denken. Denn klar ist: Wer am Puls der Zeit bleiben will, benötigt verlässliche Informationen, aktuelle Expertise und Partner, die die Herausforderungen moderner Lebensmittelbetriebe verstehen.
Der Verein versteht sich gleichsam als fachliche Verstärkung im Hintergrund. Sein Name verweist dabei auf das lateinische „alimentarius“ und steht sinnbildlich für die enge Verbindung zum Lebensmittel. „Als unabhängiger Verein haben wir uns zusammengeschlossen, um Betriebe der Lebensmittelbranche fundiert und verlässlich zu unterstützen. Jeder von uns bringt dabei eine eigene fachliche Spezialisierung ein“, erklärt Dagmar Leitner, Lebensmittel-Expertin, Qualitätsmanagerin und Obfrau des Vereins. Und so begleitet ihr Team aus 14 Kompetenzträgern Bäckereien, Fleischereien und andere Lebensmittelbetriebe in nahezu allen fachlichen und organisatorischen Fragestellungen des täglichen Betriebs. Dabei spielen moderne Qualitäts- und Hygienekonzepte ebenso eine Rolle wie die praxisgerechte Nutzung digitaler Lösungen. Auch bei analytischen Fragestellungen, der rechtlichen Absicherung von Kennzeichnungen oder der internen Überprüfung von Standards können Betriebe auf fundierte Unterstützung zählen. Ziel ist stets eine nachhaltige Qualitätssicherung, die Praxisnähe mit fachlicher Tiefe verbindet.
Die Alimentaren: Immer am Puls der Zeit
Was „Die Alimentaren“ zudem auszeichnet, ist ihr konsequenter Blick nach vorne – ein echtes Asset. „Neben der Beratung investieren wir kontinuierlich in unsere eigene Weiterbildung. Im Verein ist ein strukturiertes Fortbildungsmodell etabliert, das den Austausch mit externen Experten ebenso umfasst wie gezielte Schulungen. So stellen wir sicher, stets am Puls aktueller Entwicklungen zu bleiben. Ich selbst habe erst kürzlich eine Fortbildung zur neuen EU-Verpackungsverordnung ‚Packaging & Packaging Waste Regulation‘ gemacht“, berichtet Leitner, der zufolge die Branche aktuell vor allem drei große Themen beschäftigen: das veränderte Konsumverhalten mit dem Trend zur Supermarktware, Personalverfügbarkeit und Qualifikation der Mitarbeitenden sowie die überbordende Bürokratie. Geht es etwa um Qualifikationen, können „Die Alimentaren“ schon mal helfen: „Hier ist es unser Auftrag, unser Wissen in zentralen Bereichen wie etwa Hygiene, Verpackung, internationale Lebensmittelstandards, Lebensmittelrecht oder Qualitätsmanagement für Unternehmen verständlich und praxisnah zu vermitteln. In welcher Form dies geschieht, hängt von den Bedürfnissen der Betriebe ab. So, wie es die jeweilige Situation erfordert“, betont die Obfrau. Ob in Workshops, online oder mithilfe strukturierter Unterlagen – die Schulungsformate richten sich konsequent nach den Anforderungen der Betriebe.
Komplexes praxisnah vermitteln
„Der Arbeitsalltag von Bäckereien und Konditoreien wird längst auch von gesetzlichen Anforderungen geprägt. Klar, dass es für viele zu einer veritablen Herausforderung geworden ist, hier den Überblick zu behalten und sämtliche Vorgaben rechtssicher umzusetzen. Der bürokratische Dschungel ist einfach komplex und wächst stetig. Allein im Bereich der Lebensmittelsicherheit greifen EU-Verordnungen und nationale Gesetze enorm ineinander“, weiß Leitner. Parallel dazu rücken Nachhaltigkeit und Entsorgungsfragen stärker in den Fokus – etwa durch neue Regelwerke wie die Packaging & Packaging Waste Regulation. Leitner: „Das sind vielschichtige Themen, die ganz einfach fundiertes Fachwissen erfordern.“ Allein der Bereich „Verpackung“ gleiche ihr zufolge heute einer Wissenschaft. Entscheidend sei nicht nur, welche Informationen eine solche trägt, sondern vor allem, ob sie für das jeweilige Produkt geeignet ist und dessen Sicherheit zuverlässig gewährleistet.
Maßgeschneiderte Hilfen
Bislang hat sich der Verein vor allem über Mundpropaganda und durch gezielte Google-Recherchen potenzieller Kunden einen Namen gemacht. Manche Betriebe benötigen einmalige Unterstützung, andere wünschen sich eine dauerhafte Begleitung. „Es gibt hier wirklich die unterschiedlichsten Ausprägungen“, berichtet Leitner.
Auch die Frage der Kosten sei nicht pauschal zu beantworten: „Unsere Leistungen variieren je nach Umfang und Experten. Wir bemühen uns jedoch sehr, dass unsere Beratungen auch förderfähig sind. Im vergangenen Jahr habe ich etwa auch einen oberösterreichischen Bäckereibetrieb zum Thema Nachhaltigkeit beraten sowie dessen Prozesse analysiert und Optimierungspotenziale aufgezeigt. Die Wirtschaftskammer hat diesen Beratungstag vollständig gefördert – so etwas freut natürlich auch uns“, so die Expertin abschließend.
Autor: Robert Penz