Traditionsprodukt mit bewegter Geschichte
Die Schwedenbombe zählt seit rund 100 Jahren zum Fixbestand der österreichischen Süßwarenkultur. Mit einem Marktanteil von über 90 Prozent im Schaumkuss-Segment und einer täglichen Produktion von rund 250.000 Stück in Niederösterreich bleibt das Produkt ein Schwergewicht im Regal.
Doch Tradition allein garantiert keinen wirtschaftlichen Erfolg. 2012 geriet das ursprünglich 1890 in Linz gegründete Unternehmen in die Insolvenz. Heidi Chocolat, Teil der Meinl-Gruppe, übernahm die Marke und führte sie zurück in ruhigere wirtschaftliche Gewässer.
Heute steht das Unternehmen wieder stabiler da. Dennoch gilt intern ein klarer Grundsatz: Stillstand ist keine Option.
Neuer Geschäftsführer mit Branchenfokus
Seit Jänner 2026 steht Alexander Grund an der Spitze von Heidi Chocolat. Er folgte auf Bernhard Kletzmair und bringt langjährige Erfahrung aus Logistik, Vertrieb und Lebensmittelindustrie mit.
Aufgewachsen in einer Gastronomenfamilie, fand Grund früh Zugang zur Branche. Nach Stationen bei LKW Walter und Coca-Cola Hellenic Austria, wo er entlang der Supply Chain und im Route-to-Market-Management tätig war, führte ihn sein Weg zwischenzeitlich in die Bauindustrie. Die Rückkehr zur Lebensmittelwirtschaft folgte 2023, zunächst als Einkaufs- und Logistikleiter bei Niemetz Schwedenbomben.
„Dass man mir dieses Vertrauen schenkt, erfüllt mich mit Stolz“, so Grund über seine neue Rolle, in der er nun ein breites Markenportfolio verantwortet. Neben den Schwedenbomben zählen dazu unter anderem Manja & Swedy, Bobby, Mozart Koogles und Heidi-Schokolade.
Emotionale Marke mit Kultstatus
Die Schwedenbombe ist mehr als ein Süßwarenprodukt. Sie ist emotional aufgeladen und tief in der österreichischen Alltagskultur verankert. Das zeigt auch die digitale „Wall of Schaum“, auf der über 1.500 Erinnerungen und Geschichten von Konsumentinnen und Konsumenten gesammelt wurden.
Die Ursprünge reichen in die 1920er-Jahre zurück. Walter und Johanna Niemetz entwickelten den Schaumkuss ursprünglich als kreative Verwertungsidee für überschüssiges Eiweiß aus der Konditoreiproduktion. Der Name entstand aus einem familiären Bezug zu Schweden sowie dem damals gebräuchlichen Begriff „Bombe“.
Marketing zwischen Kult und Konsumrealität
Auch wenn die Markenbekanntheit hoch ist, sieht Grund Aufholbedarf bei jüngeren Zielgruppen. Entsprechend wurde das Marketingbudget erhöht. Neben TV und Radio spielen Online- und Social-Media-Kanäle eine zentrale Rolle.
„Wir sind nicht das schwarze Gold, das sich von selbst verkauft. Wir müssen werben“, betont der Geschäftsführer.
Parallel setzt man auf Marktforschung. Eine Konsumentenbefragung soll klären, wie das Verhältnis zwischen den Geschmacksrichtungen Schoko und Kokos tatsächlich verteilt ist. Intern spricht man von einem ausgeglichenen 50:50-Duell.
Diversifizierung im Sortiment
Angesichts sinkender Warenkorbgrößen und einer angespannten Marktlage im Süßwarensegment gewinnt Sortimentsbreite an Bedeutung. Zusatzkäufe sollen über neue Formate und Produktlinien generiert werden.
Zu den jüngeren Innovationen zählen Schwedenbomben-Stangerl, erweiterte Tafelschokoladenvarianten sowie Pralinen wie die „Likörbomberl“. Auch die Bobby-Schokotafel wurde um neue Geschmacksrichtungen ergänzt.
Parallel bleiben Impulsprodukte wie Manja & Swedy im Kassenbereich wichtige Umsatztreiber. Promotions seien weiterhin notwendig, um Volumen in den Markt zu bringen, so Grund.
Export als strategischer Wachstumstreiber
Zunehmend rückt das Auslandsgeschäft in den Fokus. Besonders Produkte wie die „Mozart Koogles“ zeigen internationales Potenzial. Unterschiedliche Geschmacksrichtungen werden gezielt auf Zielmärkte abgestimmt, etwa Kaffee-Dattel für den arabischen Raum oder Litschi für Asien.
„Der Export gewinnt generell an Bedeutung“, erklärt Grund. Deshalb arbeitet das Unternehmen an einer exportfähigen Schaumkussvariante. Die klassische Schwedenbombe stellt logistisch eine Herausforderung dar, da ihre Mindesthaltbarkeit lediglich rund einen Monat beträgt.
Erste Zielmärkte liegen in den europäischen Nachbarländern.
Balance zwischen Tradition und Zukunft
Am heimischen Kernprodukt selbst soll sich wenig ändern. Rezeptur, Haptik und Mundgefühl gelten als identitätsstiftend. Experimente hätten gezeigt, dass selbst kleine Anpassungen das Produkterlebnis verändern würden. Spielraum sieht man daher eher bei Limited Editions als bei dauerhaften Reformulierungen. Handelsmarkenproduktionen sind derzeit nicht geplant. Der strategische Kurs ist klar definiert: Die Schwedenbombe bleibt Herzstück der Marke, doch Wachstum soll über Innovation, Sortimentserweiterung und Export erfolgen.
Oder, wie Grund es augenzwinkernd formuliert: „Ich bin Team Schoko, meine Frau Team Kokos.“




