Vom 12. bis 15. März 2026 war Taiwans Hauptstadt Taipeh das Epizentrum des internationalen Bäcker-Nachwuchses. Im Rahmen der internationalen Bäckereimesse fand die 54. UIBC International Competition for Young Bakers statt – organisiert vom Weltverband der Bäcker und Konditoren (UIBC). Sechs Teams aus Europa, Amerika und Asien traten gegeneinander an. Am Ende des dreitägigen Kräftemessens stand ein klares Ergebnis: Gold ging ans Gastgeberland Taiwan, Silber an Frankreich, Bronze an Deutschland.
Das Motto: Sport – und ein Schaustück zum Staunen
Das diesjährige Wettkampfmotto lautete Sport – und das prägte jeden Handgriff, jede Falte, jedes Brot. Verlangt wurden traditionelles Danish Pastry, eine moderne Viennoiserie, ein gesundes Brot, ein traditionelles Brot sowie ein geflochtenes Brot. Das absolute Herzstück des Wettbewerbs war jedoch das komplett essbare Schaustück, das das Thema Sport widerspiegeln und teilweise aus hefegelockertem Teig bestehen musste.
Der Ablauf stellte die Teams vor maximalen Druck: Zunächst zwei Stunden Vorbereitung für Sauerteige, Vorteige und Teige – die über Nacht reifen mussten. Am zweiten Tag dann sechs intensive Arbeitsstunden, um alles aufzuarbeiten, zu backen und das Schaustück zu vollenden. Das Finale fand am 15. März statt – und war, wie der Zentralverband betonte, ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen.
Eine besondere Regelung macht den Wettbewerb zur einmaligen Lebenschance: Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Bäckerinnen und Bäcker unter 25 Jahren – und jede Person darf nur einmal im Leben an dieser WM teilnehmen.
Taiwan – das einzige asiatische Land mit zwei Ausrichtungen
Für Taiwan war es bereits der zweite Heimvorteil: Das Land wurde 2026 zum zweiten Mal als Austragungsort ausgewählt – nach 2023 – und ist bislang das einzige Land in Asien, dem diese Ehre zweimal zuteil wurde. Das heimische Team nutzte diesen Vorteil eindrucksvoll und sicherte sich den Weltmeistertitel.
Das deutsche Team: Olympische Ringe aus Brotteig
Für Deutschland traten Lilly Jahn aus Frankfurt (Oder) und Jonah Rosentreter aus Essen an. Ihr gemeinsames Schaustück – ein Kunstwerk aus Brotteig und Brezeln mit olympischen Ringen und dem olympischen Feuer – begeisterte Jury und Publikum gleichermaßen.
Lilly Jahn, 22, ist die amtierende Deutsche Meisterin der Bäckerjugend und stammt aus einer Bäckerfamilie. Seit 2022 absolvierte sie ihre überbetriebliche Ausbildung im IGV Bildungszentrum in Nuthetal (Brandenburg), die Gesellenprüfung legte sie im Sommer 2025 ab. Ihr besonderes Herzensthema: das Brot. Rosentreter, ebenfalls aus einer Bäckerfamilie stammend, legte seine Gesellenprüfung 2025 bei einer Bäckerei in Essen ab und erreichte bei der Deutschen Meisterschaft der Bäckerjugend im selben Jahr den zweiten Platz.
Monatelang bereitete sich das Duo unter der Leitung von Bundestrainer Felix Rommel auf den Wettkampf vor – teils an der Bundesakademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim, unterstützt von Mitgliedern der deutschen Bäckernationalmannschaft.
„Die beiden überzeugten mit unglaublichem Können, großer Kreativität und echtem Teamgeist. Trotz kurzer Vorbereitungszeit fanden sie schnell zu absoluter Topform“, sagte Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Besonderer Dank gilt auch der Bäko Zentrale eG für die Unterstützung des Teams.
Österreich: Mit denselben Ambitionen auf internationalem Parkett
Während beim UIBC-Wettbewerb kein österreichisches Team antrat, zeigt Österreich auf anderen internationalen Bühnen eindrucksvoll, was der heimische Nachwuchs kann. Bei den WorldSkills 2024 in Lyon holte Julia Kusel, die österreichische Teilnehmerin im Berufsfeld Bäcker, ein begehrtes Medaillon for Excellence – eine Auszeichnung, die internationale Spitzenklasse bescheinigt.
Im November 2025 stellten sich beim größten Berufsbildungsevent Österreichs – den AustrianSkills 2025 im Messezentrum Salzburg – erstmals Bäcker:innen, Fleischer:innen und Konditor:innen gemeinsam einer Jury. Über 550 Nachwuchstalente in 48 Wettbewerbsberufen qualifizierten sich dabei für die internationalen Berufswettbewerbe WorldSkills Shanghai 2026 und EuroSkills Düsseldorf 2027.
Was bleibt
Die 54. UIBC-Junioren-WM in Taipeh war mehr als ein Wettbewerb. Sie war ein Schaufenster in die Zukunft eines Handwerks, das Tradition, Präzision und Kreativität auf Weltniveau verbindet. Sechs Teams, drei Tage, unzählige Stunden Vorbereitung – und am Ende Brote, Gebäcke und Schaustücke, die beweisen: Das Bäckerhandwerk hat seinen Nachwuchs.

