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Lohnerhöhungen im Bäckergewerbe Österreich: Kollektivvertragsabschluss 2025 mit 2,77 Prozent – Ein Balanceakt in Zeiten hoher Inflation

Ein neuer Kollektivvertrag bringt ab dem 1. Oktober 2025 eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,77 Prozent für die 17.500 Arbeiter:innen und 840 Lehrlinge im österreichischen Bäckergewerbe. Während die Beschäftigten von der spürbaren Entlastung profitieren, stehen Unternehmen in Zeiten hoher Inflation – zuletzt 3,6 Prozent im Juli 2025 – vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Welche Auswirkungen hat dieser Abschluss auf die Branche und den Wirtschaftsstandort Österreich?

Ab dem 1. Oktober 2025 profitieren die rund 17.500 Arbeiter:innen und 840 Lehrlinge im österreichischen Bäckergewerbe von einer durchschnittlichen Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne um 2,77 Prozent. Die Gewerkschaft PRO-GE konnte in Verhandlungen mit dem Zentralverband der Bäcker zudem eine Erhöhung der Lehrlingseinkommen um 2,90 Prozent sowie Anpassungen bei verschiedenen Zulagen erzielen. Während die Beschäftigten von der Entlastung profitieren, stehen Unternehmen in Zeiten hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit vor neuen Herausforderungen. Wir werfen einen Blick auf die Details des Abschlusses und beleuchten die Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Österreich.

Erste Details des Kollektivvertragsabschlusses 2025

Der neue Kollektivvertrag, der ab dem 1. Oktober 2025 für 12 Monate gilt, bringt folgende Anpassungen:

  • Mindestlöhne: Durchschnittliche Erhöhung um 2,77 Prozent. Der neue Mindestlohn in der Verwendungsgruppe 4 (Arbeiter:in nach Beendigung der Lehrzeit während der gesetzlichen Behaltepflicht) liegt bei 1.957,33 Euro.
  • Lehrlingseinkommen: Anstieg um 2,90 Prozent, um den Beruf für den Nachwuchs attraktiver zu gestalten.
  • Kost- und Quartiersätze: Erhöhung um 2,68 Prozent.
  • Erschwerniszulage: Anpassung um 2,75 Prozent.
  • Taggeld (Zehrgeld): Erhöhung um 2,68 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass bereits im ersten Verhandlungsdurchgang eine Einigung erzielt wurde und die vollständige Abgeltung der Inflation gewährt wurde.

Ein Gewinn für Arbeitnehmer:innen

Für die Beschäftigten im Bäckergewerbe kommt der Abschluss zur richtigen Zeit. Die Lohnsteigerungen sollen die Kaufkraft in einer Phase hoher Lebenshaltungskosten sichern und die Attraktivität des Berufs erhöhen. Gerade in einem physisch fordernden Handwerk, das oft mit unregelmäßigen Arbeitszeiten verbunden ist und mit einem Fachkräftemangel kämpft, sind solche Maßnahmen wichtig. Die Erhöhung der Lehrlingseinkommen um 2,90 Prozent könnte zudem helfen, Nachwuchs für die Branche zu gewinnen und langfristig die Fachkräftebasis zu sichern.

Weitere Herausforderungen für Unternehmen

Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen vor der Aufgabe, die gestiegenen Lohnkosten in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu stemmen. In den letzten drei Jahren summieren sich die Lohnerhöhungen in Österreich auf beeindruckende 21 Prozent – ein bedeutender Kostenfaktor für Betriebe, die gleichzeitig mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie einer nachlassenden Kaufkraft der Konsument:innen konfrontiert sind. Besonders kleinere Bäckereien könnten gezwungen sein, die Mehrkosten durch Preiserhöhungen weiterzugeben, was die Nachfrage nach Backwaren dämpfen könnte. Hier gilt es, einen Weg zu finden, der sowohl die Beschäftigten entlastet als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sichert.

Inflation und Wirtschaftsstandort Österreich

Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Österreich gibt weiteren Anlass zur Diskussion. Im Juli 2025 lag die Inflationsrate bei 3,6 Prozent, ein Anstieg gegenüber 3,3 Prozent im Juni 2025. Haupttreiber der Teuerung waren die Bereiche Gastronomie, Energie (insbesondere Strom) und Nahrungsmittel – Sektoren, die auch das Bäckergewerbe direkt betreffen. Für das Gesamtjahr 2025 prognostiziert die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) eine Inflation von 2,7 Prozent, während das WIFO einen Rückgang auf 2,5 Prozent erwartet. Beide Werte liegen jedoch über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent, das voraussichtlich erst Mitte 2026 erreicht wird.

Ein Grund für die vergleichsweise hohe Inflation in Österreich liegt in den Lohnsteigerungen und dem größeren Anteil von Indexierungen bei Dienstleistungen wie Mieten oder Mobiltelefonverträgen, die zu höheren Preisanstiegen führen als in anderen Ländern des Euroraums.

Der Kollektivvertragsabschluss im Bäckergewerbe mit einer vollständigen Abgeltung der Inflation könnte diesen Effekt weiter verstärken. Während dies für Arbeitnehmer:innen eine willkommene Entlastung bedeutet, stellt es den Wirtschaftsstandort Österreich vor die Herausforderung, die Balance zwischen sozialer Absicherung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu halten. Steigende Lohnkosten könnten langfristig die Attraktivität Österreichs für Unternehmen beeinflussen, wenn keine kompensierenden Maßnahmen wie Produktivitätssteigerungen oder staatliche Unterstützung folgen.

Ein notwendiger Kompromiss?

Der Kollektivvertragsabschluss 2025 im Bäckergewerbe ist ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Arbeitnehmer:innen und könnte die Attraktivität des Berufs steigern. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, die hohen Lohnkosten – kumuliert 21 Prozent in drei Jahren – in einem Umfeld hoher Inflation und steigender Betriebskosten zu bewältigen.

Der Abschluss wirft zudem auch Fragen hinsichtlich seines Signals für andere Branchen auf. Es bleibt abzuwarten, ob solche Lohnsteigerungen in allen Branchen realisierbar sind und ob sie langfristig zur Stabilität des Wirtschaftsstandorts beitragen.

Für den Wirtschaftsstandort Österreich bleibt die Frage, wie sich solche Abschlüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken und ob die Balance zwischen der Sicherung der Kaufkraft und der Stabilität der Unternehmen gelingt. Beide Seiten – Arbeitnehmer:innen und Unternehmer:innen – sind gefordert, gemeinsam Lösungen zu finden, die langfristig tragfähig sind.

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