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Tarifabschlüsse 2025 über Inflation – Lohnentwicklung kehrt zu ruhigerem Niveau zurück

Die kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter sind in Österreich auch 2025 real gestiegen. Nach den starken Ausschlägen der vergangenen Inflationsjahre zeigt der aktuelle Tariflohnindex eine deutliche Abschwächung der Dynamik – bei weiterhin inflationsüberdeckenden Abschlüssen.

Reallohnplus trotz gebremster Dynamik

Im Jahr 2025 stiegen die kollektivvertraglichen Brutto-Mindestlöhne in Österreich im Durchschnitt um 3,9 Prozent. Damit lagen die Abschlüsse über der Inflationsrate des Jahres 2024, die bei 2,9 Prozent lag. Der auf das Basisjahr 2016 bezogene Tariflohnindex erreichte damit im Jahresdurchschnitt 139,6 Punkte.
Nach Einschätzung von Manuela Lenk setzt sich damit ein langfristiges Muster fort. Über weite Strecken der vergangenen Jahrzehnte seien die Mindestlöhne stärker gewachsen als die jeweilige Teuerung des Vorjahres. Auch 2025 bedeute dies unter dem Strich einen realen Einkommenszuwachs, wenngleich deutlich unter dem Niveau der vorangegangenen Jahre.

Inflationsjahre als Ausnahmephase

Ein Blick auf längere Zeitreihen unterstreicht diese Entwicklung. Der Tariflohnindex mit Basisjahr 1986, der für historische Vergleiche herangezogen wird, weist seit dem Jahr 2000 eine durchschnittliche jährliche Steigerung der Mindestlöhne von rund 2,9 Prozent aus. Bis 2022 bewegten sich die Kollektivvertragsabschlüsse in einem vergleichsweise stabilen Rahmen.

Mit der starken Inflation infolge der Energie- und Preiskrise kam es 2023 und 2024 zu außergewöhnlich hohen Abschlüssen. Während 2023 die Teuerung nicht vollständig abgegolten werden konnte, lagen die Lohnsteigerungen 2024 bereits wieder über der Inflationsrate des Vorjahres. 2025 markiert nun eine Rückkehr zu niedrigeren, aber weiterhin real positiven Zuwächsen.

Unterschiede nach Beschäftigtengruppen

Die Entwicklung verlief je nach beruflicher Stellung unterschiedlich. Über einen Zeitraum von vier Jahren verzeichneten Arbeiter:innen sowie öffentlich Bedienstete die höchsten Zuwächse bei den Mindestlöhnen. Angestellte lagen im selben Zeitraum etwas darunter.
Im Jahr 2025 selbst fiel der Anstieg bei Arbeiter:innen mit 4,2 Prozent am kräftigsten aus. Angestellte kamen auf 3,8 Prozent, öffentlich Bedienstete auf 3,6 Prozent. Letztere hatten im Vorjahr noch besonders hohe Abschlüsse erzielt.

Breite Streuung zwischen den Branchen

Auch auf Branchenebene zeigt sich eine deutliche Differenzierung. Besonders stark stiegen die Mindestlöhne in den vergangenen Jahren unter anderem im Bergbau sowie in der Beherbergung und Gastronomie. Geringere Zuwächse verzeichneten hingegen die Herstellung von Waren sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Für das Lebensmittelhandwerk ist diese Streuung von Bedeutung, da sie die Wettbewerbsbedingungen und Kostenstrukturen innerhalb der Branche mitprägt.

Orientierungsgröße mit klaren Grenzen

Der Tariflohnindex bildet jene Mindestlöhne und -gehälter ab, die durch Kollektivverträge, kollektivvertragsähnliche Regelungen oder gesetzliche Vorgaben festgelegt sind. Er betrifft rund 95 Prozent der unselbständig Beschäftigten in Österreich und gilt damit als zentrale Referenzgröße für Sozialpartner und Betriebe.

Nicht abgebildet ist hingegen die Entwicklung der tatsächlich ausbezahlten Ist-Löhne inklusive Überzahlungen. Die für 2025 veröffentlichten Werte sind zudem vorläufig; die endgültigen Jahresdurchschnittswerte werden im April 2026 veröffentlicht. Bereits jetzt zeigt sich jedoch, dass sich die Lohnentwicklung nach den Ausnahmesituationen der vergangenen Jahre wieder auf ein planbareres Niveau zubewegt.

Die Grafik zeigt die jährliche Veränderung der kollektivvertraglichen Brutto-Mindestlöhne (Tariflohnindex 86) im Vergleich zur Inflationsrate des Vorjahres (Verbraucherpreisindex). Nach den außergewöhnlich starken Ausschlägen in den Inflationsjahren 2023 und 2024 normalisiert sich die Lohnentwicklung 2025 deutlich, liegt mit 3,9 Prozent jedoch weiterhin über der Inflationsrate von 2024.Credit/Quelle: Statistik Austria. Grafik: Bäcker & Konditor | Eigene Darstellung nach Daten von Statistik Austria
Die Grafik zeigt die jährliche Veränderung der kollektivvertraglichen Brutto-Mindestlöhne (Tariflohnindex 86) im Vergleich zur Inflationsrate des Vorjahres (Verbraucherpreisindex). Nach den außergewöhnlich starken Ausschlägen in den Inflationsjahren 2023 und 2024 normalisiert sich die Lohnentwicklung 2025 deutlich, liegt mit 3,9 Prozent jedoch weiterhin über der Inflationsrate von 2024.
Credit/Quelle: Statistik Austria. Grafik: Bäcker & Konditor | Eigene Darstellung nach Daten von Statistik Austria

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